Indian Summer in Vermont oder gute Ernährung

Vermont im Herbst. Die Bäume verfärben sich gelb, rot, orange und braun. Die Landschaften sehen aus wie gemalte Bilder. Man kann sich kaum satt sehen. Auf dem Land ist es geruhsam. Eines Tages besuchen wir einen lokalen kleinen Lebensmittel-laden „Organic“. Soviel wie „Bio“. Es gibt dort alles: Gemüse, Getreide, Wein, Käse, Fleisch, Milchprodukte, Säfte, Schokolade, Brot, Kekse, Konserven, Früchte und auch selbstgekochte Speisen zum Mitnehmen. Quasi ein auf Lebensmittel spezialisierter Bio Tante Emma Laden. Es war wunderbar, die Produkte anzusehen und mal hier und mal da stehen zu bleiben…..wir hätten praktisch alles kaufen können….Kann das Leben schöner sein ?

Nun, in diesem Geschäft gab es auch eine Ecke mit Zeitschriften und zwar direkt in der wunderbar ausgestatteten Spielecke für Kinder. So ein Zufall…

Genau in dieser Ecke habe ich ein lokales Magazin entdeckt, welches über das Thema Ernährung und Diät berichtete und dabei das Buch „The Calorie Myth – How to Eat More, Exercise Less, Lose Weight, and Live Better“ von Jonathan Bailor empfahl. Da der Artikel sehr überzeugend geschrieben war, habe ich mir das Buch gleich gekauft. (Anmerkung: Digital auf meinem Tablet ….)

Auch wenn, wie so oft, im Kontext von Ernährung das Thema Diät in den Vordergrund gerät und eine Weight Watcher ähnliche Marketingstrategie auftaucht, habe ich den Eindruck gewonnen, dass hier wesentliche Themen auf treffende Weise angesprochen werden. Das Buch ist das Ergebnis von über zwölf Jahren Zusammenarbeit mit Forschern zu diesem Thema.

Zitat aus der Einleitung „The Calorie Myth“ von Jonathan Bailor:

„Over the past few decades, we’ve been trying harder and harder to be heathly and fit. The result: we got heavy and sick.“

Das Ergebnis seiner Arbeit nennt Bailor die „SANE Solution“, deren Grundelemente Ernährung und körperliche Bewegung sind. Er stellt die These auf: Wenn wir smarter essen und uns smarter bewegen, dann können wir mehr essen und uns weniger bewegen und bleiben trotzdem fit und gesund (und schlank). In einem der nächsten Blogs möchte ich auf das eine und andere etwas detaillierter eingehen.

Zum Ende der Woche noch eine Anekdote, auch aus Vermont: Das Haus in dem wir während der Zeit in Vermont lebten hatte einen „Steamer“, also eine Art Dampfdusche…. man konnte während des Duschens praktisch ein Dampfbad nehmen. Steamer sind in USA und Canada in vielen Haushalten zu finden. „Dusche“ ist eigentlich etwas untertrieben, denn der Duschraum war ungefähr 8qm groß mit gemauerter, beheizter  Sitzbank….. Was wir nicht wussten: nach dem Duschen sollte zunächst die Türe geschlossen bleiben, der Dampf sollte aus dem zu diesem Zweck zu öffnenden Fenster entweichen, ansonsten…..löst der Feueralarm aus. Leider war kein Feueralarm zu hören auf den man hätte reagieren können, so dass auf einmal die Sirene des Löschzuges immer lauter heulte bis der typisch amerikanische Feuerwehrzug mit Mannschaft in unsere Einfahrt fuhr. Die Feuerwehrmänner waren froh, dass es nicht brannte und sehr nett zu uns, wir durften uns sogar das Innere des Löschzuges genauer ansehen……

Dies war der letzte Blog für diese Woche. Ich bedanke mich bei allen, die meine Zeilen lesen und denen, die mir folgen. Euch ein schönes Wochenende, bis Montag.

 

Reisetagebuch (aufgenommen in Vermont, USA)

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New York – Best Italian Restaurant

New York. Man muss es lieben oder sein lassen. Dazwischen gibt es nicht viel. Als ich das erste Mal in New York war, zugegeben es waren nur 2 Tage als Tourist, habe ich mir fest vorgenommen, dass das auch das letzte Mal war.

Und dann kam es anders…. Mehr als 10 Jahre später lebte und arbeitete ich in Manhattan. Mitten drin, ca. 10 Minuten vom Times Square entfernt. Mal abgesehen vom ersten Abend, war es eine phantastische Zeit. Wenn man in New York leben möchte, muss man zuerst einmal alles loslassen und dann die Stadt erfahren. Es gibt wenige Städte auf der Welt, die so abwechlungsreich sein können wie New York. Von der im Kellergeschoss aufgeführten Oper von Künstlern, die berühmt werden wollen, bis hin zu tausenden von Taxis, die alle samt verschwunden sind, sobald ein Tropfen Regen fällt….

Nun aber zum eigentlichen Thema: In New York essen zu gehen ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt viele mittelmäßige, viele völlig überteuerte, viele Fast Food Restaurants und Restaurantketten. Nun also, wie findet man DAS Restaurant. Ganz einfach: Man findet es zufällig…..bei Restaurants ist das oft so: die guten findet man im Restaurantführer  oder  zufällig. In diesem Fall war es reiner Zufall. Eines abends sind wir durch die sogenannte „Restaurant Row“  (46 street between 8th and 9th Avenue) gelaufen und ausgerechnet dort gelandet: Im LATTANZI, dem besten italienischen Restaurant in New York.

Der erste Eindruck lässt auf nichts schließen. Wir hatten Glück und wurden im hinteren Teil, dem Wintergarten platziert. Dies wurde später unser Lieblingsplatz….

Die Speisekarte ist übersichtlich aber ausreichend und das Essen: himmlisch. Dazu schöne Weine zu vernünftigen Preisen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich warmen Mozzarella gegessen. „Home-made warm Mozzarella“. Ein Gedicht. Der Mozzarella wird frisch hergestellt und noch warm serviert. Wie wir erst später erfahren, handelt es sich bei dem Restaurant um einen traditionellen Familienbetrieb, der viel Wert auf die Zubereitung des Essens legt. Gute Voraussetzungen für ein exzellentes Essen. In Kombination mit netten Obern, die immer zur Stelle und doch unsichtbar sind. Wenn Ihr also mal in New York seid…..

Wem New York zu weit ist, der kann zuhause Mozzarella Käse unter dem Salamander oder Grill erwärmen und dazu kalte oder warme Tomaten…. oder auch selbst gemachte Tomatensauce servieren. Vielleicht wagen wir uns ja auch mal an die Mozzarella Herstellung. Mal sehen.

 

Reisetagebuch (aufgenommen in New York, USA)

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Keith Jarrett – eine Erinnerung

Keith Jarrett kommt nach Frankfurt. Natürlich sind alle Karten schon lange ausverkauft. Zu schade. Kurzerhand beschließen wir, uns einen schönen Abend zu machen: entweder in der Alten Oper mit Keith Jarrett oder bei einem gemütlichen Abendessen. Wir machen uns chic und laufen zur Alten Oper. Vielleicht gibt es ja Menschen, die zufällig eine Karte übrig haben und sie uns verkaufen möchten…. anderenfalls tritt Plan B in Kraft, das leckere Abendessen.

Hmmm. Auf den ersten Blick ist hier niemand, der auf seine Karte verzichten möchte. Ich gehe zum Kartenschalter, um zu klären, ob es nicht vielleicht doch noch Karten gibt. Und genau dort, spricht mich ein Student an, ob ich nicht zwei Karten kaufen möchte. Er verlangt den Ticketpreis plus 20 Euro „Agio“ pro Karte. Ein fairer Deal. Und voilá aus dem Abendessen wird nichts ….

Glücklich, doch noch Karten bekommen zu haben, sitzen wir mit Spannung in der Alten Oper. Keith Jarrett kommt…. Er spielt… man merkt, er kommt nicht richtig in Fahrt… es hustet jemand… Keith Jarrett ermahnt uns: im Saal muss absolute Ruhe herrschen…. Keith Jarrett spielt weiter…… es hustet jemand….. Keith Jarrett verlässt die Bühne.

Kurz davor hat Keith Jarrett ein Konzert verlassen und ist nicht wieder gekommen…..

Er kommt wieder. Es ist mucksmäuschenstill. Er spielt und kommt in Fahrt. Wahnsinn ! Es hustet jemand…er spielt weiter. Nun ist er (fast wie) in Trance und spielt göttlich. Er scheint alles um sich herum vergessen zu haben. Wir auch !

Das war vor 10 Jahren – wir erinnern uns, als ob es gestern war.

Der weltweit beste Jazzpianist ! Direkt gefolgt von Herbie Hancock….den wir übrigens danach auch in der Alten Oper in Frankfurt erleben durften…

 

Reisetagebuch ( aufgenommen Kyoto, Illuminated Garden im Kodai-ji Tempel)

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(Vor-)Lesen – die Rechte des Zuhörers

Heute möchte ich es wagen die Rechte des Lesers zu ergänzen. In meinem Blog vom 20. September 2017 habe ich die Rechte des Lesers aus dem Buch „Wie ein Roman“ von Daniel Pennac vorgestellt:

  1. Das Recht, nicht zu lesen
  2. Das Recht, Seiten zu überspringen
  3. Das Recht, ein Buch nicht zu Ende zu lesen
  4. Das Recht, noch einmal zu lesen
  5. Das Recht irgendwas zu lesen
  6. Das Recht auf Bovarysmus, d.h. den Roman als Leben zu sehen
  7. Das Recht, überall zu lesen
  8. Das Recht herumzuschmökern
  9. Das Recht, laut zu lesen
  10. Das Recht zu schweigen

Als ich die Rechte des Lesers auf einem Blatt Papier geschrieben bekommen habe, empfand ich Erleichterung. Denn ‚mal ehrlich: Wer hat denn kein schlechtes Gewissen, ein Buch nicht zu Ende zu lesen. Und wer traut sich, ein neues Buch zu lesen, obwohl das alte noch auf dem Nachtisch liegt ? Dabei ist es doch wunderbar, in verschiedenen Büchern gleichzeitig zu lesen. Ein Buch in Papierform, das andere auf dem Tablet. Das dritte vielleicht sogar vorgelesen zu bekommen. Es sich auf dem Sofa zu zweit gemütlich machen und sich vorlesen zu lassen… Bei Kindern ist dies, oder sollte es zumindest, selbstverständlich sein. Aber auch als Erwachsener ist es gut, einer Stimme zu lauschen, dabei die Augen zu schließen. Die Benediktiner der Abtei Neresheim auf der Schwäbischen Alb schweigen beim Mittagessen und einer von ihnen liest auf einer Art Kanzel sitzend aus einem Buch vor, denn: der Mensch braucht Nahrung auch für den Geist.  Eine schöne Regel.

Deshalb möchte ich die Rechte des Lesers um folgende ergänzen:

11. Das Recht, sich vorlesen zu lassen (auch wenn man schon lesen kann)

12. Das Recht, dem Vorleser zuzuhören und gleichzeitig etwas anderes zu tun

Wenn Kinder anfangen selbst zu lesen ist dies ein weiterer Schritt in die Unabhängigkeit. Trotzdem ist es wichtig, weiter vorzulesen. Man stelle sich vor, ein Kind bekommt sechs Jahre lang vorgelesen und beginnt dann selbst zu lesen. Wie „schrecklich“ muss es für das Kind sein, nicht mehr vorgelesen zu bekommen. Eine langjährige und dazu noch schöne Tradition kann man doch nicht von heute auf morgen einfach beenden….. Also habe ich versprochen, dass ich weiter vorlese…. Dies hat das Lesen lernen erheblich beschleunigt :-).

Viel Spaß beim Zuhören !

 

Reisetagebuch  (aufgenommen in Western Head, Nova Scotia, Kanada)

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Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,

und auf den Fluren lass die Winde los.

 

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;

gib ihnen noch  zwei südlichere Tage,

dränge sie zur Vollendung hin, und jage

die letzte Süße in den schweren Wein.

 

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,

wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben

und wird in den Alleen hin und her

unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

 

Rainer Maria Rilke 

 

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Botero in Passau

Bei einem Stadtbummel durch Kopenhagen haben wir sie zum ersten Mal gesehen…die üppigen Figuren. Wenn man sie betrachtet, entsteht anfangs eine Mischung aus Staunen, Neugier und dem fast schon an Voyeurismus grenzenden Gefühl, eigentlich wegschauen zu müssen. Man begegnet ihnen immer wieder, denn die ca. zwölf Figuren sind in der ganzen Innenstadt Kopenhagens verteilt.

Dann die Bilder….. in der Botero Ausstellung im Louisiana Museum of Modern Art in Humlebaek, ca 35 km nördlich von Kopenhagen. Immer wieder stellt man sich die Frage, warum müssen denn alle Menschen, oft Frauen, Tiere und Gegenstände so voluminös, so dick sein. Je länger man Boleros Figuren betrachtet, und ich meine hiermit nicht unbedingt die Dauer eines Museumsbesuchs…., sondern eine etwas längere Zeitspanne, desto mehr Grazie und Würde signalisieren sie. Auch strahlen sie Ruhe aus….wie könnte bei diesem Volumen auch nur der Hauch von Hektik entstehen….? Die Motive sind unterschiedlich und regen oft zum Schmunzeln an. Was jetzt eigentlich noch fehlt, zumindest habe ich es bisher noch nicht gesehen, ist ein ein Sumo Ringer Botero. Zugegebenermaßen ist es eine gewisse Herausforderung, einen Sumo Ringer voluminöser zu malen :-).

Das Museum Louisiana hat übrigens in Teilen eine ähnliche Architektur wie die Fondation Beyeler in Riehen/Basel (mein Betrag vom 4. Oktober Bacon – Giacometti ) und beherbergt auch herrliche, große, schlanke Giacometti Figuren. Wir haben uns schon oft gefragt, wie man von Botero und gleichzeitig Giacometti begeistert sein kann. Denn beide Künstler nehmen in scheinbar gegensätzlicher Weise die menschliche Gestalt wahr, sind dennoch gleichermaßen faszinierend…

Zum 85. Geburtstag des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero sind bis 26. November in Passau die „vom indischen Kamasutra inspirierte Werkserie“ (Passauer Neue Presse) „Boterosutra“ zu sehen.

 

Reisetagebuch (aufgenommen am Fischmarkt von Puerto Ayora, Santa Cruz, Galápagos, Ecuador )

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Sumo Meisterschaft in Fukuoka, Japan

Wer am 25. November noch nichts vor hat, kann die Sumo (sprich: smo) Meisterschaft in Fukuoka, Japan besuchen. Am besten fliegt man nach Osaka und nimmt dann den Shinkansen nach Fukuoka. Dort haben wir gerne im Hyatt übernachtet, ein schönes Hotel mit spektakulärer Bar. Um Karten für das Sumo Finale zu bekommen, muss man etwas Glück haben und ein bißchen mutig sein. Wir haben die Karten über eine japanische Agentur online bestellt. Die Korrespondenz war teilweise wenig ermutigend. Das Ergebnis jedoch sehr zufriedenstellend.

 

Die Eintrittskarten gelten für den ganzen Tag. Der Wettkampf beginnt morgens um 8 Uhr und geht bis ca. 16 Uhr. Die meisten Japaner kommen erst nachmittags, um die letzten Kämpfe zu sehen. Wir sind immer gleich morgens hingegangen. Die Halle ist dann noch leer und man kann sich frei bewegen. Das ist deshalb so interessant, weil überall auf den Gängen die Sumo Ringer auf und ab gehen, sich warm machen, dehnen oder einfach nur herumstehen. Ich finde es unglaublich spannend, Sumo Ringer so nah zu sehen. Einmal haben wir es gewagt, zu fragen, ob wir ein gemeinsames Foto machen dürfen. Der erste Sumo Ringer, den wir gefragt haben, war wohl in seiner Ehre gekränkt und hat nicht einmal geantwortet. Nachdem wir wieder Mut gesammelt hatten, haben wir einen anderen Sumo Ringer gefragt. Der war aufgeschlossen, hat gleich seinen Kumpel geholt und wir konnten ein schönes Dreierfoto machen.

Sumo Ringer genießen in Japan hohes Ansehen. Um die erfolgreichen existiert ein Personenkult wie um Ronaldo oder Messi. Stellt Euch vor Ihr könnt einfach so an Ronaldo oder Messi vorbeilaufen…. Nicht, dass ich ein Fan wäre….. Das „Volumen“ der Sumo Stars variiert stark. Manche sind so mächtig, dass sie sich kaum mehr bewegen können. Andere haben zwar einen massigen Körper, sind dennoch beweglich und schnell. Und dann der Kampf. Zwei Sumo Ringer stehen sich gegenüber und gehen in eine gebückte Haltung, eine Faust muss den Boden berühren, dann wird das eine Bein zur Seite geschwungen und einschüchternd aufgestampft und dann das andere, bevor es richtig losgeht. Die Kämpfe sind ein Erlebnis für sich. Je nach Zusammenstellung des Teams entstehen die unterschiedlichsten Szenen. Je weiter der Tag voranschreitet, desto mehr Zuschauer kommen und desto mehr Sicherheitskräfte stehen an den Gängen, um die Sumo Ringer abzuschirmen. In den letzten zwei Wettkampfstunden, darf man die eigene Box nicht mehr verlassen, geschweige denn auf den Gängen frei laufen. Auch die Kämpfe werden dann intensiver. Fotos dürfen übrigens gemacht werden. Nach dem letzten Kampf findet die Siegerehrung statt. Diese dauert mindestens zwei Stunden. Der Sieger muss nun stundenlang Geschenke entgegen nehmen und hochhalten… Ganz am Schluß fährt er dann im Cabrio aus der Halle. Bei unserem zweiten Besuch haben wir uns die Siegerehrung entgehen lassen, da dies doch nicht besonders kurzweilig ist, vor allem wenn man kein japanisch spricht…

Wenn Fukuoka um die Ecke wäre, würde ich jedes Jahr hingehen !

 

Reisetagebuch ( aufgenommen in Fukuoka, Japan)

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DAS BROT und warum ist „gesundes“ Brot dunkel ?

Heute morgen frisch gebacken liegt es vor mir. Bestimmt könnt Ihr es riechen. Wie alles im Leben ist es ganz einfach, wenn man weiß, wie es geht. Wir haben viel ausprobiert und noch mehr über Backvorgänge gelesen und voilá hier ist unser Standardrezept:

Zutaten:  

  • 100 g Roggenmehl, 400 g Dinkelvollkornmehl, am besten beides aus dem ganzen Korn frisch gemahlen
  • Hefe, am einfachsten und trotzdem sehr gut: eine Packung Trockenhefe (für 500g Mehl)
  • 15 g Salz, 30 g (Voll-)Rohrzucker (alternativ 40g Ahornsirup oder, unser Favorit: 40g Kokosblütensirup)
  • 400 bis 600 ml lauwarmes Wasser (bei 100 g Saaten 600ml): Die Menge des Wassers ist entscheidend für die spätere Konsistenz des Brotes….ausprobieren…)
  • Nach Wunsch: Saaten (Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, ev. weißer und schwarzer Sesam, etc.). In diesem Kontext: sogenanntes „Super Food“ (Chia etc.) haben wir probiert, schadet nicht, bringt geschmacklich und nährstoffmäßig wenig im Vergleich zum hiesigen Superfood, das allerdings nicht um die halbe Welt reisen muss, bevor es hier im Regal steht…und daher auch viel günstiger ist…
  • Backstein

Und: nicht selber kneten, sondern rühren und kneten lassen, von der Maschine, gerne der einfachsten die es gibt.

Und so geht es:

  1. Wasser mit Salz mischen, dann das Mehl dazu geben
  2. 4 Minuten schnell rühren
  3. 20 Minuten Ruhe
  4. Hefe und Zucker dazu
  5. 2 Minuten langsam rühren
  6. 10 Minuten schnell rühren
  7. Wenn gewünscht, die Saaten dazu geben und kurz einrühren
  8. Den Teig in zwei Kastenformen (am besten aus Silikon) geben
  9. 2 bis 2,5 Stunden gehen lassen
  10. Den Backstein eine Stunde vor Backbeginn auf 230 Grad (Ober- und Unterhitze) aufheizen
  11. Die beiden Silikonformen auf den Backstein legen und 27 Minuten backen. Wer einen Kombigarer besitzt, kann drei, vier Dampfstöße hinzugeben

Das entscheidende zum Gelingen ist die strenge Einhaltung der Reihenfolge, Zeiten und Temperaturen….. Phase 1 bis 3 dient der Hydratation: Wasser verbindet sich mit Mehl, ein wichtiger Prozess. Der Backstein hilft, die Temperatur im Ofen beim Backen konstant zu halten. Ein guter Backstein ist nicht teuer.

Zur obigen Technik: Wir haben ganz einfach angefangen (500g Vollkornmehl, Hefe, Wasser, Salz und damit Fladen gebacken), vieles ausprobiert. Das Obige ist das Resultat: Gelingt immer, ist immer exzellent. Am meisten gelernt haben wir aus dem Buch „Perfektion“, Die Wissenschaft des guten Kochens, Band 3: Backen. Die gesamte Reihe ist sehr zu empfehlen.

Und mal ganz ehrlich: wer glaubt dunkles Brot ist gesünder als helles ? Ich ! Naja, eigentlich habe ich mir keine großen Gedanken  darüber gemacht, sondern es war eher so ein Bauchgefühl. Dunkel = Gesund. Als wir dann mit dem Brotbacken begonnen haben, stellten wir uns relativ schnell die Frage: wie wird das Brot dunkel ? Denn, die Zutaten: Mehl (auch Vollkornmehl, Wasser und Salz) sind alle hell. Und solange das Brot im Ofen nicht verbrennt, wird es auch durch den Backvorgang nicht dunkel :-). Die Lösung haben wir beim Bäcker erfahren: Farbe: Zuckercouleur, Karamellsirup, Malzextrakt ….. Die Farbe wird vor allem zur Verkaufsförderung verwendet. Grundsätzlich finde ich dies in Ordnung, solange die Wahl des „Färbemittels“ die Qualität des Brotes nicht verschlechtert. Unser Brot ist auch ohne Zuckercouleur, etc. sehr gut. Allerdings lasse ich mich bei der Wahl des Brotes nicht mehr von der Farbe leiten.

Guten Appetit !

Ich freue mich auf Eure Backergebnisse……

 

Reisetagebuch (aufgenommen in Kanada, Blick auf den St. Lorenz Strom an einer Stelle, wo er fast 30km breit ist)

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UNESCO Kulturerbe – Deutsche Brotkultur

Das Brot. Allein im Brotregister des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks sind über 3000 Sorten registriert. Die deutsche Brotkultur ist sogar immaterielles Kulturerbe…. auf Reisen vermissen wir es. Was ist das nur mit dem Brot ?

Brot ist mehr als nur ein Nahrungsmittel, es ist Teil unserer Lebens- und Essenskultur. Manchmal ist es mir fast schon zu viel Brot. Und Brot ist ja nicht gleich Brot. Als ich als kleines Mädchen in den Ferien bei meiner Oma war, haben wir das Brot immer direkt vom Bauernhof geholt. Das Brot wurde dort in einem kleinen Holzbackofen ausgebacken. Den Duft konnte man im ganzen Dorf riechen. Auf das noch warme Brot Butter und selbst gemachtes Quittengelee oder Honig vom benachbarten Imker. Ich vermisse es….

Auch auf unseren Reisen haben wir uns immer wieder mit dem Thema Brot beschäftigt. Zwar gibt es auch außerhalb Deutschlands deutsche Bäckereien, das sind jedoch eher Zufallsfunde. Also haben wir eines Tages beschlossen, wir probieren das einfach mal mit dem Brotbacken. So schwer kann es ja nicht sein…..  Nun ja, es kam dann doch ganz anders (zur Erleichterung jedes Bäckermeisters 🙂 ) . Denn Brot backen ist wirklich eine Kunst. Wir haben verstanden, dass Brot zu trocken, zu feucht, zu wenig schmackhaft, zu klumpig …… sein kann. Der Durchbruch beim Brotbacken kam eigentlich erst als wir uns dem Thema „Brot backen“ ganzheitlich gewidmet haben. Denn zu einem guten Brot gehören nicht nur gute Zutaten, sondern auch der richtige Ablauf, die richtige Temperatur, die richtige Luftfeuchtigkeit. Erst als wir all diese Parameter erforscht und ausprobiert haben, entstand DAS BROT.

Und weil Vorfreude bekanntlich die schönste Freude ist, kommt morgen an dieser Stelle das Rezept. Genauer gesagt die Beschreibung der unterschiedlichen Schritte des Brotbackens, um zu „einem“ meiner Lieblingsbrote zu kommen.

Und stellt Euch vor, gestern habe ich doch tatsächlich eine Frau getroffen, die sich die Oper Norma in der Live-Übertragung aus der Met Opera in New York in Husum im Kino angeschaut hat (ich berichtete am 22. September in diesem Blog über die Möglichkeit Opernaufführungen aus New York im deutschen Kino zu erleben).

 

Reisetagebuch ( aufgenommen in Vermont, USA)

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Memento – aus traurigem Anlass

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang.

Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.

Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind ?

 

Allein im Nebel tast ich todentlang

Und laß mich willig in das Dunkel treiben.

Das gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

 

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;

– Und die es trugen, mögen mir vergeben.

Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur, 

Doch mit dem Tod der andern muß man leben. 

 

Ein Gedicht von Mascha Kaléko zum Andenken an einen ganz besonderen Menschen !

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