Fußball – Kopfball !

Die Frage, ob Kinder und Jugendliche beim Fußballspielen Kopfbälle schießen sollten beschäftigt seit einigen Jahren die Fachwelt. 2015 erließ die U.S. Youth Soccer, eine Organisation, welche für zahlreiche US amerikanische Jugendvereine zuständig ist, ein Kopfballverbot für Jugendliche unter 11 Jahren. Der Grund dafür ist, dass Kopfbälle Gehirnerschütterungen auslösen können. Dieses Verbot stieß bei Fußballverbänden auf Unverständnis. Junge FußballerInnen könnten so die im Fußball wichtige Technik nicht früh genug erlernen. Die Gefahr einer Gehirnerschütterung sei gering.

Studien zufolge können Kopfbälle bei Erwachsenen das gleiche Ausmaß an Kräften auf den Kopf erreichen, wie beim Helm-zu-Helm-Stoß beim American Football. Eine Stoßhärte von rund 60 Gs kann bei Erwachsenen Gehirnerschütterungen auslösen.

Erstmalig wurden nun in Puerto Rico Untersuchungen bei Jugendlichen durchgeführt. Bei den Jugendlichen wurden eine Reihe von kognitiven Tests durchgeführt. Die erreichten Stöße waren zwischen 16 und 60 Gs. Vor und nach jedem Spiel wurden mit den Jugendlichen kognitive Test durchgeführt.

Diejenigen, die mindestens einen Kopfball pro Spiel geschossen haben, hatten 10 Minuten nach dem Spiel niedrigere Werte als vorher. Jungs zeigten reduzierte Werte bei schnellen Reaktionen sowie bei der schnellen Verarbeitung von neuen Informationen. Mädchen hingegen waren etwas schlechter beim sequenziellen Gedächtnis, welches auch für die Lesefähigkeit verantwortlich ist. Die Auswirkungen waren zwar relativ gering und das Experiment recht kurz, nichtsdestotrotz zeigte sich der Leiter der Studie besorgt, da die Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten bereits bei einem Kopfball auftraten. Auch scheint ihm die Altersgrenze von 11 Jahren recht willkürlich. Denn auch bei 11 jährigen traten im Versuch die gleichen Verschlechterungen auf. Solange wir nicht wirklich wissen, wie schädlich Kopfbälle für Kinder sind, sollten wir sehr vorsichtig sein.

Das sehe ich genauso.

Für Profisportler gibt es verschiedene Forschungen, die sich mit dieser Frage befasst haben. Der US-Forscher Michael Lipton zum Beispiel fand heraus, dass sich bei über 1.000 Kopfbällen pro Jahr die Gehirnzellen zurückbilden.

Andere Studien erkannten bei Fußballern Veränderungen in den Regionen des Gehirns, die für Konzentration, Erinnerungsvermögen, komplexes Denken und Verarbeiten der Realität zuständig sind.

 

Die Gedanken stammen aus dem Artikel „Heading the Soccer Ball May Be Bad for Young Brains“ von Gretchen Reynolds, veröffentlicht am 19. Juni 2018 in der NYTimes.

Reisetagebuch (aufgenommen in Montréal, Kanada)

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Ein Gedanke zu “Fußball – Kopfball !

  1. Der Meinung bin ich auch. Kopfball sollte beim Fussball nur die letzte Möglichkeit sein, wenn man den Ball nicht mehr anders kriegen kann, z.b. direkt vor’m Tor. Aber nicht als häufig eingesetztes, reguläres Spielelement. Vermutlich ist es schon das, ein zweifelhafter Standart.

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