Glaubst Du an Magie ?

Die Geschichte einer jungen Frau:

Der samtige Hase mit großen Schlappohren und einem silbernen Diadem kam vor ungefähr 34 Jahren zu Julie und trug die Aufschrift „Fairy God Bunny“. Zu dieser Zeit war Julie, Mitte 20, an Krebs erkrankt. Fünf Jahre lang nahm sie ihn überall mit hin. Ins Krankenhaus, ins Labor, zu den Röngtenuntersuchungen etc. und stellte ihn jedem vor. Und das obwohl sie Medizinstudentin war.

Eine gute Freundin hatte ihr den Hasen gegeben kurz nachdem der Krebs diagnostiziert wurde. Mehrmals erinnerte die Freundin Julie daran, dass der Hase „magische Kräfte“ besitzt. Dieser Hase wurde schließlich ihr Talisman im Kampf gegen den Krebs.

In dem Moment als Julie erfuhr, dass sie krank ist, las sie alles verfügbare Material zu diesem Thema. Studien, Erfolgschancen, alles was sie finden konnte. Sie kam zu dem Schluss, dass ihre Erfolgschancen zwar gut sind, aber die Wissenschaft konnte ihr keine 100 Prozent Chance versprechen. Das war ihr zu wenig mit Mitte 20.

Jetzt kommt der Hase ins Spiel:

Julie wollte mehr, sie brauchte ein weiteres Hilfsmittel, um ihre Chancen zu verbessern.

Und sie war nicht alleine:

Stuart Vyse, Psychologe und Autor des Buches „Believing in Magic: The Psychology of Superstition“ bestätigte ihr, dass viele Menschen in Zeiten der Not an „irrationale Dinge“ glauben. Wenn die Medizin keine Garantie mehr geben kann, dann gibt es eine psychologische Lücke, das Bedürfnis nach etwas besserem, sagt Stuart Vyse. Hier kommen Dinge, wie Aberglaube, Magie, der Glaube an Wunder und natürlich die Religionen ins Spiel !

Es ist nicht ungewöhnlich in solchen Situationen den einen Verstand und einen zweiten Verstand zu haben. „Ich weiß es klingt verrückt, aber es fühlt sich einfach besser an.“ so Stuart Vyse.

Und tatsächlich hat Julie niemals auf die konventionelle Medizin verzichtet. Sie hat Operationen, vier Chemotherapien und vieles mehr über sich ergehen lassen. Aber sie hat ihr Schicksal nie allein in die Hände ihres Arztes  gelegt. Der Hase war immer dabei.

Hört sich das alles etwas verrückt an ?

Dr. Ted Kaptchuk, ein Harvard Mediziner, erzählte vor einiger Zeit einem Journalisten des Magazins „TheNewYorker“, er sei überzeugt davon, dass Suggestion, Rituale und der Glaube ein wichtiger Bestandteil der Heilkunde ist. Gedanken, die Wissenschaftler, Schulmediziner aufschreien lassen.

Dr. Ted Kaptchuk leitet in Harvard ein Programm zum Thema Placebo Studien und deren therapeutischen Einsatz. Es soll untersucht werden, welchen Einfluß die Kraft des Glaubens auf die Heilung hat. In diesem Interview betont er, dass es in der Medizin seit Jahrhunderten bekannt ist, dass Menschen auf Suggestion reagieren. Allerdings ist nicht bekannt warum und wie….

Während seiner Zeit in Harvard schrieb Dr. Ted Kaptchuk ein Email: „Ich habe nicht Däumchen gedreht.“ Mit dieser Email übersandte eine Liste von mehr als ein Dutzend Studien, die er entweder leitete oder an denen er teilgenommen hat. Alle Studien zeigen, dass Placebos, Rituale, der Glaube und auch ein Talisman eine Rolle spielen. Zwar nur eine moderate im Vergleich zu Operationen und Medizin. Aber wenn es um das Leben geht, dann ist auch eine „moderate“ Wirkung von Bedeutung.

Weiter führt Dr. Ted Kaptchuk aus: „Wir sollten aufhören, so zu tun, als ob die molekulare Biologie alles leisten kann….“

Julie wurde geheilt. Sie glaubt fest daran, dass die klassische Medizin einen großen Beitrag dazu geleistet hat. Sie glaubt auch, dass die Hoffnung, die sich durch den Hasen manifestierte, einen Unterschied machte. Vor allem in Bezug auf das Wohlfühlen, die reduzierten Ängste und mehr gute als schlechte Tage gehabt zu haben. Der Hase stand für sie für: „Schönheit, Glaube, Liebe, Akzeptanz und Glück“. Was könnte hoffnungsvoller – oder magischer sein ?

 

 

Das ganze Interview mit Dr. Ted Kaptchuk erschien in dem Magazin „TheNewYorker“ am 12. Dezember 2011 unter dem Titel „The Power of Nothing“, geschrieben von Michael Specter. In dem Interview geht es um die Frage, ob die Erkenntnisse zum Thema Placebo die Sichtweise auf die Medizin verändern kann.

Die Gedanken stammen aus dem Artikel „Do You believe in Magic ? I Do“ von Steven Petrow, veröffentlicht am 28. Juni 2018 in der „NewYorkTimes“.

PS: Dieser Artikel ist kein medizinischer Rat und kann auf keinen Fall den Besuch beim Arzt ersetzen. Der Name der Patientin ist von mir erfunden, da im Artikel die „ICH“ Form verwendet wurde.

 

Reisetagebuch (aufgenommen in New York, USA – Ausschnitt aus einem Monet Bild im MoMA)

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6 Gedanken zu “Glaubst Du an Magie ?

  1. Danke für deinen Beitrag. Ich bin da realistisch und bezeichne die mentale Unterstützung von Heilungsprozessen nicht als Magie. Die MBSR z.B. ist eines von mehreren empirisch-wissenschaftlich erforschten und anerkannten Programmen, die buddhistische Philosophie und Psychologie an sich hat auf diesem Gebiet noch viel Potential. Auch in anderen Kulturen wird das Potential der menschlichen mentalen Kräfte, Strukturen und Mechanismen genutzt. LG

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  2. rrisch3

    Ich glaube, dass jede Art von Magie einen Erregungszustand generiert, der die gerade entwickelte Lebenskraft mindert. Wie sagt man richtig? In der Ruhe liegt die Kraft. Mna muss jene Kraft entwickeln, die keine Energie verbraucht. Gemeint ist ein natürlicher, ruhiger und bedingungsloser Glaube an die eigene Kraft. Mag sein, dass Placebos, Rituale, der Glaube und ein Talisman geeignet sind, die eigene Kraft zu wecken und zu fördern. Mit Magie hat das nichts zu tun. Sie sind Initializer.

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