Giacometti: Betört von dünnen Männer und Frauen

Giacometti:

Sein Studio glich eher einem Stall. Ein ungeheiztes, undichtes Zimmer mit rund 22 Quadratmetern in Paris. Sein Biograph James Lord nannte es eine Müllhalde. Gegen Ende seines Lebens wuchs der Ast eines Baumes durch die Wand.

Alberto Giacometti liebte diesen Platz, den er erstmalig in 1926 bewohnte und sein Leben lang beibehielt. Die dicke mit Gips gefüllte Luft war wie ein Parfum. Die grauen Wände umrahmten das Zimmer wie ein Bilderrahmen.

Erinnert Euch daran, wenn Ihr in eine Ausstellung von Giacometti geht.

Derzeit gibt es eine in der Fondation Beyeler in Riehen/Basel und eine im Solomon R. Guggenheim Museum in New York.

Der drastische Stil bedeutet eine immense Arbeit, jeden Tag. Die Ergebnisse stellten ihn nie zufrieden, aber stoppen ihn auch nicht. „Je mehr du versagst, desto mehr wirst du siegen.“, sagte Giacometti. Er erlebte beides, jeden Tag, in seinem schmutzigen Studio, mit einer Beharrlichkeit, die man fast schon Liebe nennen kann.

Giacometti verließ 1922 sein italienisch sprechendes Zuhause in der Schweiz. In Paris ließ sich der 20 Jährige mehr von Brancusi und Picasso inspirieren als von seinem Lehrer in der Kunstschule.

In Genf, wo er im zweiten Weltkrieg festsaß, gestaltete er klitzekleine Figuren auf relativ großen Boxen. Als er dann wieder nach Paris zurückkam wurden die Figuren größer, dünner und ausgemergelter. Die meisten, können alleine stehen. Manche laufen oder zeigen auf etwas. Manche haben erkennbare Gesichter, andere sind formlos.

Je intensiver man die Figuren betrachtet, desto optimistischer werden sie. Im Zeitalter des Datenüberflusses könnte man fast neidisch werden auf die schlanken Bronzefiguren:

Entblösst bis zu den Knochen, aber dennoch menschlich. ohne Namen und doch frei !

 

 

Weitere Details zu Giacometti und der Ausstellung im Guggenheim Museum in New York findet Ihr im Artikel „Giacometti: Beguiled by Thin Men and Woman“, von Jason Farago, veröffentlicht in der NewYorkTimes am 6. Juni 2018.

 

Reisetagebuch (aufgenommen der Fondation Beyeler in Riehen, Schweiz, Ausstellung Bacon-Giacometti)

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2 Gedanken zu “Giacometti: Betört von dünnen Männer und Frauen

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