Der Geschmackssinn lässt nach, wenn Menschen zunehmen….

Der Geschmackssinn lässt nach, wenn Menschen zunehmen. Jetzt glauben Wissenschaftler zu wissen warum.

Ärzte kennen dieses Phänomen seit einigen Jahren. Übergewichtige Menschen haben im Vergleich zu normal gewichtigen Menschen einen schlechteren Geschmackssinn.

Aber warum ist das so ? Bisher gab es dafür keine eindeutige Erklärung. Spekuliert wurde viel.

Dies nahm Robin Dando, Assistant Professor an der Cornell University, zum Anlass verschiedene Versuche mit Mäusen zu diesem Thema durchzuführen. Das Ergebnis ist erstaunlich.

Die Zunge verfügt über eine große Anzahl Geschmacksknospen. Diese sind für den Geschmackssinn verantwortlich. Fette Mäuse hatten im Vergleich zu normal gewichtigen Mäusen 25 Prozent weniger Geschmacksknospen auf der Zunge. Es wurde beobachtet, dass die Geschmackszellen bei fetten Mäusen schneller absterben und neue sich langsamer bilden. Dies führt insgesamt zu einer reduzierten Anzahl der für den Geschmack verantwortlichen Zellen.

Aber warum ist das so ?

Die Antwort leitet sich aus folgenden Versuchsergebnissen ab:

  1. Versuch: Mit „normalen“ Mäusen
  2. Versuch: Mit Mäusen, die aufgrund einer Genmutation nicht fett werden können,
  3. Versuch: Mit Mäusen, die ein bestimmtes Molekül, welches Entzündungen im Körper verursacht, nicht bilden können.

Alle Mäuse wurden mit sehr fetter Nahrung ernährt.

Das Ergebnis war:

  1. Versuch: Die Mäuse wurden fett und verloren ihre Geschmacksknospen
  2. Versuch: Die Mäuse wurden nicht fett und behielten ihre Geschmacksknospen
  3. Versuch: Die Mäuse wurden fett und behielten ihre Geschmacksknospen

Erstaunlich ist das Ergebnis des 3. Versuchs. Als Schlussfolgerung ergibt sich, dass nicht die fette Nahrung und auch nicht das Zulegen an Gewicht zur Abnahme der Geschmacksknospen führt, sondern ein erhöhter „TNF Alpha“ Wert. Der TNF Alpha Wert (Tumor-Nekrose-Faktor-a) ist ein Signalstoff des Immunsystems, der bei unterschiedlichen Entzündungsprozessen beteiligt ist.

Eine Erhöhung des TNF Alpha Wertes ist auch bei adipösen Menschen bekannt. „In den übermäßig vergrößerten Fettzellen findet eine Massenproduktion von Entzündungsstoffen (Zytokinen) statt, die sich wie ein „Who is who“ der Infektionsmedizin anhören: Tumor-Nekrose-Faktor-a (TNF-a), (…) und sehr viele weitere.“ So Regina Naumann, in einem Artikel im Magazin „Stern“ mit dem Titel „Das Gift großer Fettzellen“.

Die Erkenntnis bezüglich des Geschmackssinns passt also zu den Erkenntnissen der Humanmedizin, dass Fettleibigkeit Entzündungsvorgänge im Köper auslöst.

Ergebnis der Mäusestudien:

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Entzündungen im Körper, die durch übermäßige Fettzellen gefördert werden, und dem Verlust der Geschmacksknospen auf der Zunge.

Auch wenn diese Erkenntnisse nur aus Versuchen mit Mäusen resultieren, können die Ergebnisse in diesem speziellen Fall auf Menschen übertragen werden, so Dr. John Morton, der Chef der Bariatrie Medizin (Spezialgebiet der Medizin, das sich mit Übergewicht beschäftigt) der Stanford University. Erfahrungswerte mit anderen Studien bestätigen dies.

Die gute Nachricht: der Geschmackssinn kann zurückkommen, wenn sich das Gewicht normalisiert. Studien mit adipösen Menschen haben gezeigt, dass einige Monate nach einer signifikanten Gewichtsabnahme der Geschmackssinn besser wird.

 

Die Gedanken stammen aus dem Artikel „Taste Buds Dull As People Gain Weight. Now Scientists Think They Know Why“, veröffentlicht im National Public Radio am 20. März 2018 in der Rubrik „the salt“ und dem oben genannten STERN Artikel von Regina Naumann.

 

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