Verdirbt uns die Angst vor schlechtem Essen den Genuss ?

Wenn wir übers Essen sprechen, dann oft mit erhobenem Zeigefinger. Oft geht es darum, was wir besser nicht essen….. Was ist ungesund, schlecht für uns, gefährlich verführerisch und/oder bereuen wir, wenn wir es gegessen haben ?!

Sind die Folgen eines schlechten Gewissens beim oder nach dem Essen schlimmer als jegliche „schlechte“ Mahlzeit ? Geht uns immer öfter die Freude und der Genuss verloren, weil wir uns Sorgen machen, wieder „schlecht“ gegessen zu haben ? Führt das Vermeiden bestimmter Lebensmittel dazu, dass wir von Anderem zu viel essen ?

Und all dies unter dem Deckmantel der wissenschaftlicher Studien ?!

Wir werden anfälliger für Argumente, bestimmte Lebensmittel ganz aus unserem Speiseplan zu verbannen. Ebbt eine Hysterie ab, kommt die nächste. Erst ist es Fett, dann Cholesterin, Fleisch, Kohlenhydrate, oder Gluten (hierüber habe ich vor kurzem ausführlich berichtet), etc.

Zahlreiche Beispiele zeigen, dass Lebensmittel gemieden werden, obwohl es dafür keinen wissenschaftlich belegbaren Grund gibt. Der Bezug auf wissenschaftliche Studien bei der Erstellung von Ernährungsplänen ist meist nur oberflächlich richtig. Schaut man genauer hin, stellt man nicht selten fest, dass die zu meidenden Lebensmittel oder Lebensmittelkategorien uns sogar gut tun können.

Ist dies ein Problem ?

Eindeutig ja. Weil Lebensmittel Angst erzeugen für die es keine wissenschaftliche Basis gibt. Teil eines gefährlichen Trend einfach nur gegen etwas zu sein, nicht nur beim Essen…..

Essen sollte Genuss sein, nicht Angst auslösen oder ein schlechtes Gefühl vermitteln. 

So die Überzeugung von Aaron E. Carroll, Professor für Kindermedizin an der Indiana Universität School of Medicine.

Wie immer geht es beim Essen um die ganzheitliche Betrachtung. Beim Konsum einzelner Lebensmittel oder Getränke sollten auch der Genuss und soziale Aspekte berücksichtigt werden. Es gibt übrigens auch den Trend des „Clean Eatings“, also des „sauberen Essens“. Beim Clean Eating meidet man verarbeitete Lebensmittel mit künstlichen Zusätzen und versucht, Produkte so frisch wie möglich zu essen….. Auch hier gilt, Entspannung ist angesagt. Wer nicht immer perfekt isst, sollte kein schlechtes Gewissen haben !

 

 

Aaron E. Carroll ist Autor des Buches „The Bad Food Bible: How and Why to Eat Sinfully“ und zahlreicher Artikel unter anderem des Artikels „Relax, You Don’t Need to Eat Clean„, veröffentlicht in TheNewYorkTimes am 4. November 2017 und Basis dieses Beitrags.

 

 

Reisetagebuch (Mond, Beach, California, USA)

IMG_2541.jpg

11 Gedanken zu “Verdirbt uns die Angst vor schlechtem Essen den Genuss ?

  1. Danke für deinen kritischen Beitrag. Ich selbst fokussiere auf Lebensmittel die gesund sind und mir schmecken, sehe das Ganze aber nicht dogmatisch. Als Vegetarier achte ich (kritisch) auf Bioqualität, ich koche gerne und angeblich auch gut. Wissenschaftlich basierten Meinungen, Trends und Mainstreams stehe ich auch kritisch gegenüber, denn was heute der letzte Schrei ist, ist morgen oft schon ein alter Hut, oder: Wissenschaftliche Erkenntnisse fokussieren oft nur auf Teilaspekte von komplexen Zusammenhängen die oftmals erst später erkannt werden. Aber ich hatte auch das Glück naturnahe aufzuwachsen, mit einem Gemüsegarten hinterm Haus und Äckern in der Umgebung.

    Gefällt 1 Person

  2. Nun gibt der Beitrag ja auch eine wissenschaftliche Haltung wieder. Wissenschaft bedeutet nun ja auch im kontinuierlichen Disput zu sein und nichts zwingend auf ewig zementieren zu wollen. Problematisch ist da unsere oft unreflektierte Wissenschaftsgläubigkeit.
    Blickt man mal historisch zurück, waren wir hier in unserer Region niemals zuvor so gut, reichhaltig und gesund ernährt wie heute. Essen ist nicht mehr bloße Nahrungsaufnahme, Essen ist Lebensstil und Lebensmittelkonsum. Erkrankten die Menschen in der Vergangenheit an Unter- oder Mangelernährung, erkranken wir heute an Überernährung. Das kann natürlich Angst machen.

    Gefällt 2 Personen

  3. Hallo! 🐻💕
    Wir kennen die Angst und wir müssen hier Keto (Kohlehydrat-Minimum) essen, weil, sonst blockiert unser Mensch Sybille ewig das Bad und ihr Herz rast und sie kann nicht mehr laufen und haut sich Schmerzmittel rein wie doof und zum Schluss verhungert sie auch noch.
    Ihr Stoffwechsel hat vor einigen Jahren selbständig auf „anaerob-laktazid“ umgeschaltet, einfach so. Und wenn sie „nur dieses eine Mal“ Würstchen mit Kartoffelsalat isst und ein Bier obendrauf kippt, dann ist am nächsten Tag eben die Hölle los, selbst schuld, tsts.

    Aber Du meinst etwas anderes, vermute ich.
    Essen ist schon etwas sehr Intimes, immerhin nimmt man etwas in seinen Körper auf – und da bleibt es vorerst auch. Wenn man dann argwöhnt, dass da was enthalten ist, das einem schadet – wer möchte schon so enden wie Sybille?

    Dann lieber stundenlang Zutatenlisten lesen und alles nochmal und nochmal googlen. Und es ist doch ganz erstaunlich, wie viele nette, aufmerksame Leute vor Inhaltsstoffen warnen und zufällig ein Gegenmittel oder einen Austauschstoff aus dem Ärmel zaubern! Wer will da nicht glücklich zugreifen?
    In wenigen Sekunden von Unwissenheit hin zu begeisterter Erleuchtung, hossa.

    Jedenfalls backen wir heute prima Käsekuchen, mit Quark und Vanille und Eiern und Puddingpulver! Jeder zwei Stück, bis die Plauze sich dehnt, leckerlecker!

    Schönen Tag!
    Bruno

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank für Deine Ergänzung. Ich wusste bisher nicht, dass es eine solche Erkrankung gibt. Beim googeln habe ich auch nicht viel darüber gefunden…. Ich wünsche Euch, vor allem Sybille alles Gute und lasst Euch den Käsekuchen schmecken. Meine Oma hat auch sehr leckeren Käsekuchen gebacken…. Schönen Abend.

      Gefällt 1 Person

  4. Das Problem ist, dass wir aus Paradieszeiten noch immer die alte Sehnsucht nach dem damals richtigen ‚Essen-können-was-immer-wir-wollen‘ in uns tragen, das heutige Angebot das aber nimmer zulässt. – Außer man ist Paradiesköstler 😉
    paradise your life!

    Gefällt 1 Person

    1. Umso wichtiger ist es achtsam zu essen. Der Körper signalisiert einem meist was und wann er essen möchte….. manchmal überlistet er einen natürlich auch, zum Beispiel bei Gummibärchen…. 🙂

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s