Glutenfreie Ernährung – gesund oder Ernährungstrend ?

Immer wieder gibt es Artikel zum Thema „GLUTENFREIE Ernährung“. Zuletzt ein Artikel in der New York Times vom 12. Januar 2018 mit dem Titel „Is There a Downside to Going GlutenFree if You’re Healthy ?“. Es geht also um die Frage, ob eine freiwillige glutenfreie Ernährung Nachteile birgt. Sophie Egan, die Autorin (Leiterin des „Kulinarischen Instituts of America“, Autorin) stellt in diesem Artikel dar, warum eine glutenfreie Ernährung bei gesunden Menschen nicht empfehlenswert ist. Sofort kommt ein Kommentar von Georgia Ede MD (Psychiaterin, Autorin), der mit den Worten „I disagree that human beings need grains to be health.“ beginnt. Was soviel heißt wie: „Ich widerspreche, dass Menschen Getreide brauchen, um gesund zu sein.“ Sie stellt verschiedene Links in den Kommentar ein, die aus ihrer Sicht die Argumente belegen. Dies zeigt, wie kontrovers Wissenschaftler, Ärzte, Ernährungsberater und (vermeintliche) Fachleute dieses Thema diskutieren.

Warum kommt man überhaupt auf die Idee, sich glutenfrei zu ernähren, wenn man gesund ist ? Die gleiche Frage könnte man sich mit vielen Ernährungsansätzen stellen. Warum sollte ich ganz viel Fett essen (Atkins Diät), wenig Kohlenhydrate (Low carb) zu mir nehmen, keinen Zucker essen, etc. Oft steht wahrscheinlich der Wunsch, schlank zu werden oder zu bleiben hinter einer Veränderung der Ernährung. Jedenfalls ist die glutenfreie Ernährung ein Ernährungsansatz, der aus den USA kommt und den Menschen verspricht, dass sie schlank und rundum gesund werden und bleiben, wenn sie das Gluten weglassen. Und nein, ich meine das nicht ironisch. Dann würde ich mich ja bereits jetzt auf eine Seite stellen und das steht mir als Laie nun doch nicht zu.

Aufgeführte Argumente für eine GLUTENFREIE Ernährung 

Die glutenfreie Ernährung ist die einzig richtige und gesunde Ernährung. Denn, Gluten fördert Zivilationskrankheiten, wie Diabetes, Demenz, Alzheimer, Depressionen…., macht dick und enthält Anti-Nährstoffe. Außerdem vernebelt Gluten die Sinne und macht dumm. Ohne Gluten fühlt man sich viel besser.

 

Aufgeführte Argument gegen eine GLUTENFREIE Ernährung: 

Es gibt keinen wissenschaftlich erwiesenen Grund, sich freiwillig glutenfrei zu ernähren. Ein glutenfreie Ernährung führt oft zu einer mangelhaften Ernährung, es fehlen Ballaststoffe. Dies wiederum kann zu anderen gesundheitlichen Themen führen. Getreide ist nicht der einzige Lieferant von Ballaststoffen, dafür einer der wichtigsten… Der Konsum von Fasern ist ein Schutzfaktor für die Entwicklung der Typ 2 Diabetes, Herzerkrankungen und verschiedener Krebsarten. Glutenfreie Ernährung kann zu Übergewicht führen. Glutenfreie Produkte sind oft teurer als vergleichbare Produkte mit Gluten. Glutenfreie Produkte enthalten oft weniger Mineralstoffe und Vitamine, dafür oft mehr Zucker, mehr Fett und mehr Salz und sind deshalb in der Regel ungesünder als ihre Pendants mit Gluten. Hinzu kommt, dass der Bluttest zur Bestimmung, ob jemand tatsächlich Zöliakie hat, nicht mehr wirksam durchgeführt werden kann, nachdem eine zeitlang auf Gluten verzichtet wurde.

Und nun ? 

Zunächst: Menschen, die an Zöliakie, Glutensensitvität, Weizenunverträglichkeit oder Ähnlichem leiden und/oder aus medizinischen Gründen auf Gluten verzichten müssen, profitieren von dieser Entwicklung, da das Angebot an glutenfreien Nahrungsmitteln enorm zugenommen hat.

Anderseits mehren sich Stimmen von Ärzten, Wissenschaftlern und Ernährungsexperten, die eindringlich vor einer freiwilligen Enthaltsamkeit von Gluten warnen.

Wiederum scheint es vielen Menschen auf den ersten Blick mit einer glutenfreien Ernährung besser zu gehen. Erfahrungsberichte hierzu gibt es unzählige….  Woran liegt dies ? Am glutenfreien Essen oder am bewussteren Konsum und dem Weglassen von verarbeitetem Essen („processed food“) ? Haben sich unsere Großeltern auch schon schlecht gefühlt, nachdem sie Brot gegessen haben ? Oder lassen sich die Unverträglichkeiten auf die veränderte Bearbeitung des Getreides zurückführen ? Es gibt  allerdings einen Unterschied zwischen industriell hergestelltem Brot und traditionell gebackenem Brot: Wenn das Getreide frisch gemahlen ist  und dem Brot keine weiteren Zusatzstoffe zur Haltbarkeit, besseren Optik, zur Erhaltung von Knusprigkeit,  oder Ähnlichem zugeführt ist. Viele Menschen empfinden dies ganz deutlich. Wer sich glutenfrei ernährt oder ernähren will, der könnte sich des Themas ‘mal von dieser Seite annehmen. Denn es gibt auch keine (klaren) Aussagen darüber, ob sich der Körper nach freiwilligem Glutenverzicht verändert und dadurch eventuell sogar eine Glutenunverträglichkeit entwickelt…

Mein Fazit: Wie immer im Leben, probieren geht über studieren !!

Das gilt natürlich nur für gesunde Menschen.

 

 

Literatur von Befürworten der glutenfreien Ernährung: 

David Perlmutter, u.a. mit dem Buch „Dumm wie Brot“ oder „Grain Brain“

William Davis, u.a. mit dem Buch „Wheat Belly“ also Weizenbauch…

Literatur von Gegnern der glutenfreien Ernährung: 

Es gibt zahlreiche Artikel: Ein interessanter Artikel ist der oben genannte „Is There a Downside to Going Gluten-Free if You’re Healthy ?“ von Sophie Egan, erschienen am 12. Januar 2018 in der TheNewYorkTimes. Bücher gibt es unter anderem von David L. Katz & Stacey Colino: „Schluss mit Ernährungstrends“

 

Reisetagebuch (aufgenommen in Honolulu, Waikiki Beach, Hawaii, USA)

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6 Gedanken zu “Glutenfreie Ernährung – gesund oder Ernährungstrend ?

  1. Nun ja. Die Urgroßeltern hatten bei weitem nicht soviel Gluten im Getreide, und somit auch nicht im Brot. Das Getreide ist nicht in dem Zustand, in dem es vor langer Zeit mal war. Der Glutenanteil wurde aus industriell/wirtschaftlichen Gründen massiv hochgezüchtet und liegt heute um ein vielfaches höher pro Getreide. Deshalb macht es (auch) hier mal wieder Sinn, in Richtung von Hildegard von Bingen zu schauen.

    Sie sah als wichtigstes Getreide und Heilmittel den Dinkel. Wenn wir jedoch hier von Dinkel sprechen, so meine ich den URdinkel. Das sind bestimmte alte Sorten, die durchaus heute noch angebaut werden, und auch Produkte daraus kann man kaufen, z.B. bei der Firma JURA. Der Urdinkel, diese alten Sorten also, haben eine andere Zusammensetzung als die heutigen, von der Keimfähigkeit ganz zu schweigen.

    Irgendwann habe ich bei DM mal Dinkelkörner zum Keimen für Dinkelgras gekauft, weil ich dachte -DM = bio – wird schon gut sein. Was soll ich sagen – die Körner keimten schon kaum noch, wenn man sie aussäht. Das ist nicht mehr wirklich ein LEBENS(SPENDENDES)MITTEL wie früher mal. Ich habe sie trotzdem weiter angesetzt, um zu schauen, was passiert. Im angekeimten Zusatnd schmeckten sie wie Kaugummi, soviel Klebereiweiß war da drin. Kaufe ich nie wieder.

    Also – für alle, die sich damit befassen wollen – schaut mal auf wirklich alte Dinkelsorten. Sie enthalten einen Bruchteil des heutigen Klebereiweiß (Gluten), sind natürlich keimfähig und damit überhaupt erst in der Lage, unserem Körper viele gute Nährstoffe zu geben. Zudem gibt es noch den Unterschied, ob der Urdinkel als Flocke etc. (ungemahlen) oder als Brot/Nudeln etc. (gemahlen) gegessen wird. Viele Leute bekommen die Probleme eher bei den Mehlprodukten.

    Liebe Grüße
    Inerlime

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  2. ohne Zöliakie besteht kein grund sich glutenfrei zu ernähren. unsere tochter hat Zöliakie.
    seit ihrem 6. Lebensjahr bekannt vor 27 Jahren. man konnte damals diese Lebensmittel nur im Reformhaus kaufen zu Apothekerpreisen.Es gab keinen Zuschuss von der KK. Für einen Alleinverdiener mit 2 Kindern sehr schwer zu schaffen. enn der Tochter ernährungsfehler unterlaufen( restaurant sagt ist glutenfrei z. B. ist es aber nicht) musste sie in den letzten jahren 3 x ins Krankenhaus. also, diesen ‚Trend‘ verstehe ich nicht…

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  3. Ich kann mich Wolfgang nur anschließen, denn dieser Trend ist auch für mich absolut unverständlich (ich selbst habe Zöliakie). Glutenfreie Ernährung ist in meinen Augen wie manch anderes auch ein Hype von vielen in unserer ach so modernen Zeit. Wer wirklich auf glutenfreie Lebensmittel aufgrund von Zöliakie angewiesen ist, wird oftmals gar nicht mehr ernst genommen. Da wird in Restaurants schon mal leichtfertigt behauptet, dass die Speisen glutenfrei sind. Die daraus resultierenden drastischen Folgen kann man in Wolfgangs Kommentar lesen… Mit ein Grund, dass ich Restaurants meide, soweit ich kann. Wenn es so wie früher viel mehr LEBENSmittel gäbe, die diesen Namen wirklich noch verdienen (klingt ja auch im Beitrag von Inerlime an) und nicht soviel Fastfood und industriell hergestellte Nahrung mit wer weiß wievielen Zusatzstoffen, gäbe es so manch einen Ernährungstrend gar nicht. Es gäbe noch viel zu diesem Thema zu sagen/schreiben, aber das würde den Rahmen hier sprengen.

    Liebe Grüße
    Glasperlenfee

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    1. Vielen Dank für Deine Ergänzung. Die Herausforderung in Restaurants ist, dass wirklich glutenfreie Lebensmittel nur dann angeboten werden können, wenn in der Küche alles separat zubereitet wird… also quasi zwei Küchen existieren… und ja es gäbe wirklich noch viel zu sagen…. vielleicht demnächst hier 🙂 LG Angelika

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