Wassertrends – gesund, gefährlich oder einfach nur teuer ?

Über was denken wir nicht alles nach, wenn wir uns über unsere Ernährung Gedanken machen: gesund, achtsam, vegetarisch, vegan, ohne Zucker, wenig Fett, gutes Fett, glutenfrei, wenig Kohlenhydrate, Gemüse, Obst, Eier, Fisch, Fleisch….

Und was ist mit dem Wasser, das wir jeden Tag trinken ? Der Mensch besteht zu rund 65 Prozent aus Wasser. Jeden Tag trinken wir Wasser. Nur rund drei bis vier Tage kann der Mensch ohne Wasser auskommen.

Kein Wunder, dass innovative Unternehmer immer wieder neue Ideen haben, uns zum besonderen Wasserkauf zu animieren. Der neueste Trend in den USA:

Raw Water – „Rohes“ Wasser 

Noch nie gehört ?! Ich, bis vor kurzem, auch nicht. „Rohes“ Wasser ist Wasser, dass weder behandelt, gefiltert noch sonst in irgendeiner Form verarbeitet wurde. Wasser direkt aus der natürlichen Quelle. Auch wenn es sich verlockend anhört „natürliches“ Wasser zu trinken, stellen sich in diesem Zusammenhang eine Menge Fragen. Als allererstes die Frage, wo kommt das Wasser her und ist es im Urzustand überhaupt gesundheitlich unbedenklich. Selbst in unberührten Gebieten kann Wasser verunreinigt sein, zum Beispiel durch Ausscheidungen von Tieren, auch wilden Tieren.

Werfen wir einen Blick nach Neuseeland: Die größte Trinkwasserquelle in Neuseeland sind die Pupu Springs. Geht man im Gebiet des größtem Klarwassersees Neuseelands spazieren wird durch Schilder sichergestellt, dass das Wasser sauber bleibt. Es ist unter Strafe verboten das Wasser zu berühren, etwas hineinzuwerfen oder gar darin zu baden. Ein unglaubliches Naturerlebnis (vgl. Foto unten).

Nehmen wir an, diese nicht einfache Hürde kann genommen werden, dann stellt sich die Frage, wie kann das Wasser transportiert und gelagert werden, ohne dass es  zu Verunreinigungen kommt….  So verlockend der Gedanke ist, reines Quellwasser zu trinken, so gefährlich kann dies im Alltag werden. Wasser- und Hygieneexperten warnen daher vor diesem Wasser, sie raten strikt davon ab.

Ein Grund für diesen Trend in den USA ist, dass das Leitungswasser oft mit Chlorid oder Fluorid versetzt ist oder auch die hin und wieder auftretenden Verunreinigungsfälle. Zuletzt der dramatische Fall in Flint, Michigan, wo eine ganze Gemeinde mit Blei verseuchtem Wasser ausgesetzt war.

Das Leitungswasser in Deutschland hat einen sehr guten Ruf. Wir werden sehen, ob auch dieser amerikanische Trend nach Deutschland kommt.

Ein anderer Wassertrend hat jedoch längst die ganze Welt erreicht:

Wasser mit Vitaminen

Wasser mit Vitaminen oder anderen Zusätzen. Hier stellt sich zwar nicht die Frage der Verunreinigung, jedoch die Frage, ob es sich wirklich lohnt, mehr Geld für Wasser auszugeben, dass mit „gesunden“ Zusätzen versehen ist. Mal abgesehen vom Geschmack, der als Abwechslung empfunden werden kann….

Zusätze, wie Vitamine, Elektrolyte, Substanzen, die einen höheren pH-Wert bewirken, etc. vermitteln das Gefühl, sich etwas Gutes zu gönnen. Alice Park vom Time Magazin bringt es zusammenfassend auf den Punkt:

Eine ausgewogene Ernährung benötigt keine zusätzliche Unterstützung durch angereichertes Wasser. Erwartet man diese Nahrungsergänzung nicht, sondern trinkt man das Wasser nur zum Vergnügen, sollte man darauf achten, dass man nicht mehr Zucker zu sich nimmt. Denn viele dieser Getränke enthalten Zucker…. Trinkt man das Vitaminwasser nur, um eine ungesunde Diät auszugleichen, sollte man lieber beim einfachen Wasser bleiben und die Ernährung verbessern. Das dürfte auch wesentlich schonender für die Finanzen sein…

Lasst es Euch schmecken !

 

In den Beitrag sind folgende Artikel eingeflossen:

“ `Raw Water´Is a New Health Trend. But is it Safe ?“ von Jamie Ducharme, veröffentlicht am 3. Januar 2018 im Time Magazin.

“ Unfiltered Fervor: The Rush to Get Off the Water Grid“, von Nellie Bowles, veröffentlicht am 29. Dezember 2017 in der The New York Times.

„Is Vitamin-Enhanced Water Better For You Than Regular Water ? von Alice Park, veröffentlicht am 10. Januar 2018 im Time Magazin.

 

Reisetagebuch (aufgenommen in der Nähe von Takaka, Neuseeland – Pupu Springs)

Te Waikoropupū Springs kurz Pupu Springs: Die horizontale Sichtweite des Wassers im Quelltopf wurde mit im Mittel 63 Meter gemessen. Bis 2011 war dies die größte Sichtweite in einem Binnengewässer, übertroffen nur von vom Gletschereis bedeckten Seen in der Antarktis.

IMG_1242.JPG

 

2 Gedanken zu “Wassertrends – gesund, gefährlich oder einfach nur teuer ?

  1. Ich bin in der glücklichen Lage, das ich in dem Teil von Wien wohne wo nach wie vor Hochquellwasser aus der Leitung kommt, also quasi auch raw water (wird natürlich von den zuständigen Behörden laufend überprüft). Würde nie auf die Idee kommen mir abgefülltes Wasser für zuhause zu kaufen, so tolles Trinkwasser aus der Leitung kommt.
    Was das trinken direkt von Quellen betrifft so denke ich muß man einfach ein wenig Feingefühl haben wo man unbedenklich trinken kann und wo nicht.
    Stehendes Gewässer und sei es noch so klar birgt immer ein Restrisiko für solche Wasserquellen habe ich auf langen Touren einen kleine Filter mit der alles bis auf Viren und Chemikalien aus dem Wasser rausbekommt (also auch E.coli und andere Bakterien).
    Wenn das Wasser direkt aus dem Fels sprudelt oder aus einem schnell fließenden Bach im Hochgebirge verzichte ich immer auf das Filtern und nehme das sehr geringe Restrisiko in Kauf. Alles dazwischen muß man immer Situationsbedingt abwegen.

    Als Gesundheitstrend ist der „Raw Water“ aber schon sehr schräg und in gewisserweise auch bedenklich, wenn man bedenkt das Wasser ja in erster Linie sauber sein sollte um trinkbar zu sein 😉 .

    Alles Liebe Peter

    Gefällt 1 Person

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